Reiten und Arbeiten mit Hustenpferden
Martha am 1. Juni 2009
Ob ein hustendes Pferd reitbar ist oder nicht muss differenziert betrachtet werden. Bei akuten Fällen (teilweise mit Fieber) oder bei trockenem Husten, der sich bei Bewegung meist deutlich verstärkt und zu richtigen Hustenanfällen entwickelt, ist das Pferd keinesfalls zu belasten. Die Entscheidung sollte nach gründlicher Untersuchung durch den Tierarzt fallen, der bei allen Zweifeln herangezogen werden sollte. Nur so können unbeabsichtigte Lungenüberblähung und Emphysembildung verhindert werden. Beim Auftreten teils auch größerer Schleimmengen, die hustend ausgeworfen werden, kann eine Bewegung nicht nur förderlich, sondern Teil der Therapie sein. Diesen Pferden geht es ohne Bewegung meist schlechter als mit täglicher, entsprechend angepasster Arbeit.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Tagesform des Pferdes. Atmet das Pferd bereits in Ruhe schwer (teilweise wird die sog. “Dampfrinne” sichtbar), mit erhöhter Atemfrequenz oder geblähten Nüstern, darf keinesfalls gearbeitet werden, da es sich bereits im Stadium des Bronchospasmus (krampfartiger Zustand der Bronchiolen) befindet. Eine vermehrte Atmung durch Bewegung würde in diesem Fall durch den Ventileffekt den Zustand verschlimmern: Durch die Verkrampfung der Muskeln, die die Bronchiolen umgeben, ist der Hohlraum zur Atmung bereits verengt. Schon in Ruhe muss das Pferd gegen einen erhöhten Widerstand atmen. Die Einatmungsluft wird vorbei an diesen verengten Stellen in die Alveolen gepresst. Beim Ausatmen steht nicht ganz so hoher Druck wie bei der Einatmung zur Verfügung, so dass eine gewisse Restluft in den Lungenbläschen hinter den Engpässen verbleibt. Bei jedem weiteren Atemzug wird die Ausatemluft nur unvollständig wieder ausgeatmet, so dass sich immer mehr Luft in den Alveolen sammelt, die sich dadurch aufblähen – es kommt zur Überdehnung der Lunge (reversibler Zustand). Bei weiterer Drucksteigerung zerreißen die Wände der Alveolen und sind für die Atmung unwiederbringlich zerstört (irreversibler Zustand). Jeder kann sich vorstellen, dass Bewegung diese Vorgänge verstärken würde.
Abgelegt unter Pferde | Keine Kommentare
