Einzelmittel sowie Komplexmittel finden mittlerweile beide gleichermaßen in der homöopathischen Praxis Anwendung. V.a. bei ungenauer wahlanzeigender oder rasch wechselnder Symptomatik werden aufgrund des breiteren Wirkungsspektrums und nicht zuletzt wegen der Zeitersparnis Komplexmittel bevorzugt eingesetzt. Es stellt sich die Frage nach der Eignung und nach den Vor- bzw. Nachteilen, die diese Applikation mit sich bringt.
Unter Einzelmitteln werden Monosubstanzen verstanden, die in unterschiedlichen Potenzen hergestellt werden. Sie werden nach ihrem Arzneimittelbild, das mittels Arzneimittelprüfung (Anwendung am Gesunden) und dem Ähnlichkeitsgesetz “similia similibus curentur” erstellt wurde, eingesetzt.
Komplexmittel bzw. sogenannte Kombinationspräparate bestehen aus mehreren Einzelmitteln, deren einzelne Komponenten die gleiche Wirkungsrichtung aufweisen. Meist werden 2 bis 30 unterschiedliche homöopathische Einzelmittel in verschiedenen Potenzen gemischt. Diese Form der Anwendung wird vom klassischen Homöopathen abgelehnt, da es nach klassischer Philosophie nur ein einziges passendes Mittel zur Heilung gibt. Probleme bei der Anwendung bestehen darin, dass wenig über die Wechselwirkungen der Mittel bekannt ist und sich die Substanzen teilweise gegenseitig unterdrücken oder in ihrer Wirkung sogar aufheben können. Arzneimittelprüfungen für Komplexmittel haben am gesunden Organismus nicht stattgefunden, so dass Referenzen fehlen. Weiterhin kann es bei Verabreichung über einen längeren Zeitraum möglich sein, dass der Körper durch die “Informationsflut” der Komplexmittel seine Reaktionsfähigkeit verliert.
