Martha am 20. Oktober 2009
Unvollständiger oder verzögerter Fellwechsel (Hirsutismus), “Hängebauch”, Muskelrückbildungen, Abmagerung trotz guter Futteraufnahme oder Futterverweigerung, Fettpolster v.a. an Hals oder Kruppe, großer Durst, vermehrtes Wasserlassen, Huflederhautentzündung oder Hufrehe, schnelles Schwitzen, Stoffwechsel- und Knochenprobleme usw. Das sind nur einige der vielen Symptome des ECS – auch Hyperadrenocortizismus genannt – das v.a. bei älteren Pferden vorkommt. Verursacht wird diese Krankheit durch ein Adenom (gutartiger Tumor) an der Pars intermedia der Adenohypophyse (Teil der Hirnanhangsdrüse) – als sekundärer Cushing bezeichnet. Seltener tritt der primäre Cushing (Adenom an der Nebennierenrinde) auf. In beiden Fällen kommt es zu einer Überfunktion der Nebennierenrinde und übermäßiger Cortisolausschüttung, die sich v.a. negativ auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System auswirkt und vielfältige Krankheiten nach sich zieht.
Die Adenohypophyse stimuliert über die Ausschüttung von ACTH (Adreno-Corticotropes-Hormon) die Bildung von Cortisol (= ein Glykocorticoid) in der Nebennierenrinde. Beim gesunden Tier erfolgt bei ausreichend hohem Cortisolgehalt im Blut über eine negative Rückkopplung eine Hemmung der ACTH-Ausschüttung aus der Adenohypophyse, so dass wiederum die Nebennierenrinde in ihrer Cortisolproduktion gehemmt wird usw. (Regelkreis).Â
Bei der Hormonstörung ECS fehlt diese negative Rückkopplung. Hinzu kommt eine erhöhte ACTH-Produktion durch die Neoplasien der Adenohypophyse. Dadurch ist beim erkrankten Tier ein erhöhter ACTH-Spiegel im Blut nachweisbar. Der Cortisolgehalt hingegen kann “relativ” erhöht sein – Problem hier ist eher die Störung des täglichen Rhythmus der Cortisolsekretion (normaler Zyklus: Anstieg am Morgen und Abfall am Abend) – was bei der Blutabnahme berücksichtigt werden muss. Zur Abklärung der Diagnose werden unterschiedliche Tests herangezogen (z.B. ACTH-Stimulationstest, Dexamethason-Suppressionstest usw.).
Eine Theapie erfolgt meist mit Dopaminagonisten (die melanotropen und adenomatösen Zellen der Pars intermedia unterliegen einer dopaminergen Kontrolle) wie z.B. Pergolid, welche die ACTH-Sekretion vermindern. Je nach Stadium der Krankheit und Zeitpunkt des Therapiebeginns kommt es schon nach einigen Wochen zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome. Die Medikamente müssen ein Leben lang verabreicht werden.
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Martha am 3. Juli 2009
Bei unruhigen Pferden kommt oft z.B. während einer Behandlung des Tierarztes die sog. Nasenbremse zum Einsatz. Sie besteht aus einem Holzstock mit einer Seilschlaufe am Ende, die dem Pferd um die Oberlippe gelegt und festgedreht wird. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, dass das Seil nicht zu fest angezogen wird und dem Pferd Schmerzen verursacht. Völlig überholt ist die Annahme, das Pferd solle durch Schmerz ruhig gestellt werden! Die Nasenbremse ist ein mechanisches Hilfsmittel und als eine Form der Akupressur zu verstehen, deren Wirkung man ebenso (in abgeschwächter Art und Weise) durch Massieren der Oberlippe mit der Hand erreichen kann (bei sehr sensiblen Pferden zu empfehlen). Untersuchungen belegen, dass die Ablenkung durch Stimulation eines Druckpunktes in der Oberlippe zustande kommt, wodurch Opiate (z.B. Endorphine) ausgeschüttet werden, die eine schmerzstillende und beruhigende Wirkung haben. Bei manchen Pferden kann die Anwendung der Nasenbremse jedoch auch das Gegenteil oder gar nichts bewirken.
Ein Wort zur Ohrbremse:
Diese veraltete Methode ist mit der Nasenbremse in keinster Weise zu vergleichen und absolut abzulehnen! Das Zusammendrücken der Ohrmuschel bewirkt einzig und allein durch den Schmerzreiz eine Ablenkung und ist Tierquälerei.
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Martha am 1. Juni 2009
Ob ein hustendes Pferd reitbar ist oder nicht muss differenziert betrachtet werden. Bei akuten Fällen (teilweise mit Fieber) oder bei trockenem Husten, der sich bei Bewegung meist deutlich verstärkt und zu richtigen Hustenanfällen entwickelt, ist das Pferd keinesfalls zu belasten. Die Entscheidung sollte nach gründlicher Untersuchung durch den Tierarzt fallen, der bei allen Zweifeln herangezogen werden sollte. Nur so können unbeabsichtigte Lungenüberblähung und Emphysembildung verhindert werden. Beim Auftreten teils auch größerer Schleimmengen, die hustend ausgeworfen werden, kann eine Bewegung nicht nur förderlich, sondern Teil der Therapie sein. Diesen Pferden geht es ohne Bewegung meist schlechter als mit täglicher, entsprechend angepasster Arbeit.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Tagesform des Pferdes. Atmet das Pferd bereits in Ruhe schwer (teilweise wird die sog. “Dampfrinne” sichtbar), mit erhöhter Atemfrequenz oder geblähten Nüstern, darf keinesfalls gearbeitet werden, da es sich bereits im Stadium des Bronchospasmus (krampfartiger Zustand der Bronchiolen) befindet. Eine vermehrte Atmung durch Bewegung würde in diesem Fall durch den Ventileffekt den Zustand verschlimmern: Durch die Verkrampfung der Muskeln, die die Bronchiolen umgeben, ist der Hohlraum zur Atmung bereits verengt. Schon in Ruhe muss das Pferd gegen einen erhöhten Widerstand atmen. Die Einatmungsluft wird vorbei an diesen verengten Stellen in die Alveolen gepresst. Beim Ausatmen steht nicht ganz so hoher Druck wie bei der Einatmung zur Verfügung, so dass eine gewisse Restluft in den Lungenbläschen hinter den Engpässen verbleibt. Bei jedem weiteren Atemzug wird die Ausatemluft nur unvollständig wieder ausgeatmet, so dass sich immer mehr Luft in den Alveolen sammelt, die sich dadurch aufblähen – es kommt zur Überdehnung der Lunge (reversibler Zustand). Bei weiterer Drucksteigerung zerreißen die Wände der Alveolen und sind für die Atmung unwiederbringlich zerstört (irreversibler Zustand). Jeder kann sich vorstellen, dass Bewegung diese Vorgänge verstärken würde.
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